Macchia

Als Alexander der Grosse 335 v.Ch. gefragt wurde, warum er keinen Feldzug nach Westen, also gegen Italien unternehmen wolle, meinte er abschätzig, dort gäbe es nebst einigen Griechischen Kolonien nur Wald und Barbaren. Wenige Jahrhunderte später sah alles ganz anders aus. Aus den Barbaren wurden Römer und diese schlugen nicht nur die Griechen, sondern auch den Wald.

O.K, das ging jetzt etwas schnell, sozusagen die Kurzfassung. Aber Tatsache ist, dass die übermäßige Nutzung des Waldes (Abbrennen, Beweidung, Holzentnahme)  durch den Menschen die Landoberfläche völlig verändert hat. Lediglich 30 % Italiens sind heute noch bewaldet. In Apulien gibt es ausser auf dem Gargano keine nennenswerte Waldfläche mehr. Dafür stehen etwa 50 Mio. Olivenbäume in der Region. Die ursprünglich die Landschaft bestimmenden großen hartlaubigen Eichenwälder  degenerierten vielerorts  zur Macchia Mediterranea.

Die Macchia ist je nach Untergrund, Klima und Nutzungsgeschichte unterschiedlich ausgeprägt, hat eine geringe Wuchshöhe und wird der Hartlaubzone zugerechnet. Charakteristisch für die Macchien in unserer Gegend (Manduria/Maruggio) sind folgende Pflanzen:

Bestandesbildende Pflanzen

 
Mastixstrauch (Pistacia lentiscus)

Mastixstrauch (Pistacia lentiscus)
Der sehr harzhaltige Strauch heisst im Dialekt Frasca und ist in der lokalen Macchia die dominante Pflanze. Die Einheimischen benutzen Frasca auch als Synonym für Macchia (E tutto frasca).

Ginster (Genista)
Einige Wochen im Frühling lässt der Ginestra die Macchia gelb leuchten. Die stacheligen Sträucher sind auch dafür verantwortlich, dass ein Spaziergang durch die Macchia recht beschwerlich sein kann. Am besten nimmst Du einen Stock mit, um Dir einen Weg zu bahnen. Es geht ganz gut. Die Vegetation ist nicht so dicht wie sie von aussen scheint.

Ginster (Genista)

Ebenfalls bestandesbildend sind die Zistrosen, vor allem die Montpellier-Zistrose (Cistus monspeliensis). Sie blüht nach dem Ginster, so dass die Macchia die Farbe im Spätfrühling allmählich von Gelb auf weiss wechselt.  Eher seltener und vor allem an den Macchierändern wächst die Kretische Zistrose (Cistus creticus).

Montpellier-Zistrose (Cistus monspeliensis)
Kretische Zistrose (Cistus creticus)

Auffällig wegen ihrer Grösse sind die ebenfals als Strauch wachsenden Vertreter der Ölbaumgewächse, nämlich der wilde Olivenbaum (Olea europaea sylvestris) und die Breitblättrige Steinlinde (Phillyrea latifolia).

Die höheren bestandesbildenden Arten werden nicht selten von der Rauen Stechwinde (Smilax aspera) als Kletterhilfe beansprucht.

Charakteristisch aber nicht bestandesbildend sind u.a. folgende Pflanzen.

Die Baum-Wolfsmilch (Euphorbia dendroides)
Auffällig ist die Pflanze vor allem wegen ihres im Vergleich zur Begleitvegetation umgekehrtem Wuchsrhythmus. In den Wintermonaten ist das helle Grün der Wolfsmilch nicht zu übersehen.

Die immergrüne Myrte (Myrtus communis), auch Brautmyrte und Gemeine Myrte genannt.  Sie spielte in der griechischen Mytologie eine große Rolle. Aus den Beeren wird auch ein Likör hergestellt (Mirto Rosso).

Myrte (Myrtus communis)

Sieht man Menschen in der Maccchia sind es meist Jäger oder solche, welche die spitzblättrige Spargel (Asparagus acutifolius) suchen oder gar den Lactarius tesquorum Malençon einen Pilz aus der Familie der Milchlinge. Bei den Einheimischen ist der  Pilz sehr beliebt.  Weil er meist unter der Zistrose gefunden wird und diese im Dialekkt Mucchio heisst, nennt man den Pilz Mucchiareddiu.

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